Helmut Oberst 

17. Sept 2017 - Dez. 2017 

 

Palimpsest 

Als Palimpsest (Maskulinum, auch Neutrum, von lateinisch palimpsestos, -i m aus altgriechisch πάλιν palin „wieder“ und ψάειν psaein „reiben, (ab-)schaben“) bezeichnete man bereits in der Antike Manuskripte, die, durch Schaben oder Waschen gereinigt und danach neu beschrieben wurden.

 

Auch in der Kunstgeschichte findet dieser Begriff Verwendung, beispielsweise für bruchstückhaft erhaltene Wandfresken, bei denen nicht selten mehrere Schichten aus verschiedenen Epochen fragmentarisch erhalten sind.

 

Im übertragenen Sinne ist trotz intensiver archäologischer und quellenkundlicher Forschung unser Wissen über die Vergangenheit auch immer nur ein Teil des Ganzen – bleibt also auch ein Palimpsest.

 

Nun wird der Begriff (des) Palimpsest zum Titel für eine Ausstellung des Pforzheimer Malers und Altertumkenners Helmut Oberst (geb. 1940), die vom 17. September an im Römermuseum Remchingen gezeigt wird.

 

Als Kuratorin hat die Kunsthistorikerin Regina M. Fischer, diesen Begriff vorgeschlagen, beschreibt er doch einen formalen Aspekt in den Arbeiten des Künstlers.

Häufig erscheinen Ausschnitte aus antiken Texten oder Renaissanceschriften künstlerisch verfremdet. Helmut Oberst setzt seine Arbeiten auf Papier unterschiedlichen Prozessen aus, die analog zur Alterung begriffen werden können. Einflüsse von Rost, Schlamm oder anderen Naturmaterialien spielen dabei ebenso eine Rolle, wie eine malerische Bearbeitung.

Textfragmente aus Schriften des Pforzheimer Humanisten Johannes Reuchlin stehen im Bezug zur Region und dem diesjährigen Jubiläum 500 Jahre Reformation und führen somit in die Kirchengeschichte zurück. Damit bezieht sich ein Werkblock der Ausstellung auch auf die aktuelle Sonderausstellung im RMR.

 

Eine weitere ausgestellte Werkreihe nimmt in mehr illustrativer Form Bezug auf antike Mythen, griechische und römische Texte, wie beispielsweise  auf die Metamorphosen des Ovid, oder Texte von Horaz, die für unsere Kenntnis der antiken Mythologie prägend wurden.

 

Das Bild mit dem Titel Pompeji Horaz wurde auch für die Einladungskarte gewählt, da es in doppelter Weise die Thematik der Ausstellung belegt. Der Textauszug auf der linken Bildseite, ein Horaz-Zitat aus dem Gedicht I 11 (carpe diem) steht einer weiblichen Bildfigur gegenüber. Helmut Oberst zitiert hier einen Ausschnitt aus einem Fresko der berühmten Villa dei Misteri aus dem 1. Jhd.

 

Die verschiedenen Serien aus dem Oeuvre von Helmut Oberst erlauben einen guten Einblick in einige seiner Arbeitsfelder, aber auch diese kleine Ausstellung ist Palimpsest eines Gesamtwerks und soll die Betrachter anregen sich näher mit dem Schaffen eines ebenso gelehrten, wie künstlerisch vielseitigen Zeitgenossen zu beschäftigen.

 

Regina M. Fischer

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© Römermuseum Remchingen